Täglich neu

Hier schreiben Mitglieder unseres Teams, was gerade obenauf liegt. Heute von Pfarrerin Jutta Krimm... 

 

Palmsonntag 2020

 

Liebe Gemeindeglieder, liebe Gäste,

 

mit dem heutigen Palmsonntag beginnt die Karwoche, diese stille Woche in der wir dem Leiden und Sterben Jesu nachsinnen. In diesem Jahr ist die Karwoche besonders still. Deutlich weniger Verkehrslärm ist zu hören, keine fröhlichen Stimmchen aus dem Kindergarten klingen zum Pfarrhaus herüber, kein Stimmengewirr liegt über dem Hauptplatz und kein Gesang erklingt in unserer Christuskirche. Zuhause bleiben wann immer es geht ist wichtig, sich und andere schützen vor dem Virus – das ist Gebot der Stunde. 

Vom lauten Jubel über das „kreuzige ihn“ aus vielen Kehlen zum beklemmenden Schweigen, ja zur Grabesstille – diese anwachsende Stille ist der Karwoche mit ihrem Erinnern an Jesu letzte Tage zueigen. 

Ja, Jesu Einzug in Jerusalem war von fröhlichem Jubel und begeistertem Schwenken der Palmzweige begleitet: „Hosianna! Gelobt sei der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel!“ rief man Jesus entgegen, der auf einem Esel nach Jerusalem kam.

Und nur wenige Tage später hörte man die Rufe: „Kreuzige ihn“.  Dann dauerte es nicht lange, bis sich Grabesstille ausgebreitet hat. 

Eine Stille, die bis heute förmlich zu greifen ist wenn plötzlich ab Gründonnerstagabend bis zum Ostermorgen auch noch die Glocken vom Kirchturm schweigen. Als Gemeinde verbunden sein im Schweigen – ob das geht? Können wir das? Wir, die wir im Alltag meist überflutet werden mit äußeren Reizen, Impulsen, Angeboten und grellen Meldungen. 

Was hören wir, wenn es plötzlich leiser wird – so wie zur Zeit? Und auf wen hören wir? Welche Melodien, welche Worte kommen in Erinnerung? Das Wochenlied für diese Woche beginnt mit den Worten: „Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken…“ (Evangelisches Gesangbuch Nr. 91) 

Diese Tage im Frühjahr 2020 sind manchmal schwer zu tragen. Gut gelaunt sein für die Kinder – das geht eine ganze Weile. Optimismus versprühen ist auch ok, „das Beste draus machen“ als Devise – wer würde ernsthaft Einwände erheben?

Gleichzeitig erleben wir eine Krise, die kein Mensch braucht! Diese durchzustehen verlangt uns einiges ab an Kraft, an seelischer und physischer und psychischer Kraft. Das geht an einem Tag besser, am anderen schlechter. Es gibt beide Erfahrungen: man kann über sich hinauswachsen – und manchmal wie gefangen sein in kleinem, ungewohnt kleinem Radius.

Leiden bedenken – das steht in dieser Woche an. Jesu Leiden, aber auch das Leiden derer die jetzt krank sind, oder sich einsam fühlen, das Leid derer, die Angst haben krank zu werden oder ihre wirtschaftliche Existenz zu verlieren, auch das Leid derer die bis zum Umfallen arbeiten um anderen zu helfen- bei uns und überall in der Welt.

Leiden bedenken – sich davon anrühren lassen, wo es geht Leiden lindern und für Leidende beten – dazu rufen uns der Palmsonntag und die Karwoche auf. 

Uns wird das zugetraut! Und wir werden dazu gebraucht – sei es in aller Stille, mit lautem oder leisem Gebet und mit kräftigem Anpacken. Zutrauen mag uns dabei geben die Hoffnung, dass das letzte Wort nicht das Leid behält. Nicht bei Jesus und auch bei uns nicht! 

Wir werden das in Kürze miteinander feiern, wohl stiller als sonst und anders als gewohnt und vertraut aber wir werden das Leben feiern und die Liebe, die stärker ist als sogar der Tod! 

 

Seien Sie gesegnet und bleiben Sie behütet!

wünscht Ihnen im Namen des ganzen Teams der Christuskirche

Ihre Pfarrerin

 

Jutta Krimm