Wort zum Tag von Pfarrerin Bia Ritter

Gott nahe sein, Lebendigkeit pur erfahren

Der Sommer hat sich in der Natur prachtvoll ausgebreitet. Man genießt die Wärme und das Licht, friedlich scheint alles draußen um uns her zu sein.

 Unser Gesangbuch enthält eine Reihe Sommerlieder. Sie preisen die Herrlichkeit der Schöpfung unseres Gottes. Das Wort Schöpfung sagt aus: ER hat alles hervorgebracht, allem Leben zur Gaudi und zum Wohlgefallen aller Kreatur, der Menschen, der Tiere und der Pflanzen. Joachim Neander schrieb 1680, also in der Barockzeit, folgendes Lied (Evangelisches Gesangbuch Nummer 504), vertont von Georg Christoph Strattner im gefälligen Dreiertakt:

Himmel, Erde, Luft und Meer, zeugen von des Schöpfers Ehr; meine Seele, singe du, bring auch jetzt dein Lob herzu.

Seht das große Sonnenlicht, wie es durch die Wolken bricht; auch der Mond, der Sterne Pracht jauchzen Gott bei stiller Nacht.

Seht, wie Gott der Erde Ball hat gezieret überall. Wälder, Felder, jedes Tier zeigen Gottes Finger hier.

Seht, wie fliegt der Vögel Schar in den Lüften Paar für Paar. Blitz und Donner, Hagel, Wind seines Willens Diener sind.

Seht der Wasserwellen Lauf, wie sie steigen ab und auf; von der Quelle bis zum Meer rauschen sie des Schöpfers Ehr. 

Ach, mein Gott, wie wunderbar stellst du dich der Seele dar! Drücke stets in meinen Sinn, was du bist und was ich bin.

Soweit die Strophen des Liedes. Gott wird darin die Ehre gegeben. Darüber kann der Mensch nur ins Summen und Singen kommen, zumal die Sommergaben das Herz aufleben und frei atmen lassen. Der weit über uns gespannte Himmel, die frische Luft und der Kreislauf, den das Wasser uns beschert, werden genannt. Sonne, Mond und die Sterne werden erwähnt, Quellen und Wasserwellen, das Meer, an dem derzeit unzählige Menschen ihren Urlaub verbringen, weil es Leib und Seele belebt und erfrischt.

In der vierten Strophe kommt das Wetter ins Spiel mit seinen Phänomenen Blitz, Donner, Hagel und Wind, die aller Kreatur widerfährt, zu verkraften bisweilen, doch ebenso als Abwechslung im Einerleigrau, welches ein wolkenbedeckter Himmel bringen kann. 

Gegen Schluss heißt es „Ach, mein Gott, wie wunderbar stellst du dich der Seele dar!“, also versehen mit dem einzigen Ausrufezeichen in dem ganzen Lied. Nachdem alles in der sommerlichen Natur kurz beschrieben worden ist, kommt der Mensch selbst ins lustbetonte Seufzen; auch ins Nachsinnen darüber, was dieses alles mit ihm macht. Er begreift: „Du, Gott, und ich einzelner Mensch, wir dürfen uns miteinander des Lebens in all seiner Vielfältigkeit und Herrlichkeit erfreuen“. Das dürfte auch und besonders in der Coronazeit gelten, oder?

Denken wir nur gelegentlich an jene Mitmenschen, die andernorts in Gefangenschaft ausharren oder in Flüchtlingslagern; auch an die Erntehelfer und an diejenigen, die Schlachthöfe zu bedienen haben und auf engstem Raum in Quarantäne verbringen müssen, wiewohl sie schuldlos sind! Sie alle haben derzeit gar nichts zu bejubeln. 

Diesen allen gebe unser dreieinige Gott, dass sie bald bessere Zeiten erleben werden! Dafür betete ich inständig, während ich heute einen Blumenstrauß im morgendlichen Licht zusammengestellt habe. Man darf ja wohl auch dann inwendig beten zu Gott, während man kreativ tätig ist.

 

Ihnen und Euch wünscht selige Sommertage 2020 

Pfarrerin Bia Ritter