Wort zum Tag von Pfarrerin Ritter

Kamele brauchen wir zuhauf!
Haben Sie schon mal auf einem Kamel gesessen? Ich schon. Mit meinem Mann war ich Teilnehmerin in einer Reisegruppe, die die Wüste in Israel erkundete. Ein bewährter Führer stellte einem jeden von uns ein Kamel zur Verfügung, um eine kleine Strecke darauf auszuprobieren. Als ich oben zu sitzen kam, staunte ich über die gewaltige Höhe, fürchtete mich auch ein wenig. Nun sollte es abwärts gehen, durchaus steil auf geröllartigem Untergrund. Ein Schreck erfasste mich, denn wie sollte „mein“ Kamel das schaffen? Ich sorgte mich, doch fiel mir plötzlich ein: „Unser Führer wird schon wissen, dass es gelingen wird; er kann es sich gar nicht leisten, dass einer von uns herabstürzt“. Also: „Augen zu und durch“, dachte ich bei mir. Und in der Tat, mein „Unterbau“ schritt sicheren Trittes abwärts den Hang hinunter ohne jede Unsicherheit! Später dann mussten wir alle herzlich unsere Bedenken weglachen.
Eine Redensart lautet so: Geduld und Humor sind die Kamele, die uns durch die Wüste tragen.


Dieser Satz weist eine Bildseite auf und einen Gedanken, der nachdenklich und vergnügt stimmt. Ja, gewiss: Geduld und Humor werden uns derzeit abgefordert. Schwierig sind diese Monate gerade, weil die Infektionszahlen stark angestiegen sind. Am liebsten würden wir das Problem wegschnipsen, doch es geht nicht bei den Beschränkungen, die uns auferlegt sind. Beim besten Willen lässt sich die Seuche nicht abschaffen, jedenfalls nicht sofort. Es braucht Zeit, Geduld und Ausdauer; ein Mittragen und Ertragen von Auflagen, die staatlich verordnet sind.
Gesundheitlich gleicht Europa zurzeit einer Wüste. Menschen sind Bedingungen ausgesetzt, die lebensbedrohlich sind. Man fühlt sich mitunter, wie „in die Wüste geschickt“, fernab von allem, was einem lieb und teuer ist.
Die Bibel nun erzählt eindrücklich von der Exodus-Erfahrung des Volkes Israel (im 2. Mose-Buch im Alten Testament). Jahrzehnte lang irren die vielen Menschen in einer Wüste umher in der Hoffnung, das „gelobte Land“ einst zu erreichen. Auf halber Strecke schon beginnen Viele lauthals zu meutern und bedauern, sich überhaupt eingelassen zu haben auf dieses elende Unterfangen. Doch endlich erreichen sie das Ziel: Palästina, das Land, in dem „Milch und Honig“ paradiesartig fließen. Ohne ihre Ausdauer und Hoffnung auf bessere Tage hätten sie diese Rettung niemals erfahren. Übrigens hat auch Jesus die Wüste als Ort besonderer Erfahrungen nicht gescheut (siehe Matthäusevangelium, Kapitel 4, Vers 1 bis 11).
Uns heute könnte Ähnliches bevorstehen, nicht sofort aber in ferneren Tagen. Geduld ist also gefragt. In angespannten Zeiten wie diesen, haben Witze und Karikaturisten Hochkonjunktur. Jeder von uns profitiert davon. Wenn es eigentlich nichts zu Lachen gibt ist man in Wirklichkeit besonders empfänglich für treffende Witze, auch kleine Videoclips, die einem das Lachen bescheren, das bekanntlich sogar Glückshormone ausschüttet!
Gönnen wir uns einander doch den Humor und ab und an ein Auflachen in diesem Herbst 2020!
Es grüßt Sie und Euch heiter und bisweilen sogar vergnügt
Pfarrerin Bia Ritter

 

Bild: Photo by Andre Iv on Unsplash