Wort zur Woche von Bia Ritter

Alles heruntergefahren!

Nun ist er da, der radikale Lockdown, bundesweit einheitlich. Keine Einkäufe können vor Weihnachten mehr getätigt werden, abgesehen von Lebensnotwendigem. Man soll sich weitgehend in den eigenen vier Wänden oder im Garten bewegen. Was kann man also tun, wenn man meint, nichts Besonderes schenken zu können zum Fest?
Mit wachem Verstand sind wir durchaus in der Lage, etwas ganz Persönliches vorzubereiten in der „Staden Zeit“: Wir könnten Erinnerungen aufschreiben an Erlebtes, etwa in einem kleinen Aufsatz, und es den Nächsten zukommen lassen. Manch einer wird es nicht sofort, doch irgendwann später gerne einmal lesen. Auch ein Gedicht, selbst wenn es noch so „humpeln“ sollte, vermag Freude zu bereiten! Natürlich werden auch viele Menschen eine Spende vorsehen etwa an die Hilfsorganisation „Brot für die Welt“ oder auch an die „Katastrophenhilfe“ des Diakonischen Werkes (beides evangelische Werke).
Wir Christen haben noch eine ganz spezielle Chance, unsere Mitmenschen kostenlos (!) zu bedenken, und zwar im stillen Gebet.
Die Schriftstellerin Ricarda Huch schrieb einmal: „Wer scheinbar nichts mehr tun kann, kann noch das Wichtigste tun: Er kann sich betend mit der Allmacht Gottes verbinden.“ Und der Schriftsteller Reinhold Schneider schrieb den berühmten Satz: „Allein den Betern kann es noch gelingen, das Schwert ob unsern Häuptern aufzuhalten und diese Welt den richtenden Gewalten durch ein geheiligt Leben abzuringen“. Beide genannten Schriftsteller waren beteiligt gewesen in der Widerstandsbewegung gegen den Nationalsozialismus unter A. Hitler. Sie starb 1947 und er im Jahr 1958.
Wir heute haben gottlob keinen Krieg in Europa, doch Widerstandskraft braucht derzeit ein jeder, wenn er/sie geduldig diese Zeit der andauernden Seuche(!) heil überstehen will. Dabei kann das persönliche Gebet ein Gerüst abgeben, das uns bei der vorweihnachtlichen Tätigkeit dienlich ist. So könnte etwas spürbar werden von der Freundlichkeit unseres dreieinigen Gottes – dies für unsere Mitmenschen in nah und fern, wie auch für uns selbst.
Im Neuen Testament kommt das Wort G e b e t unzählige Male vor. So heißt es etwa im Jakobusbrief, Kapitel 5, Vers 16b: „Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist“. Wer diesem Satz vertraut, der vermag in der Tat mehr zu schenken, als alle Schätze der Welt wert sind. Man könnte die eigenen Fürbitten auch kurz jenen Menschen mitteilen, für die man gebetet hat. Ich selbst habe damit gute Erfahrungen gemacht. Der Adressat ist in der Regel gerührt für diese „Liebesgabe“, die – wie schon gesagt – keinen Cent kostet und die so ganz im Stillen, vielleicht bei einer brennenden Andachtskerze, entstanden war…
So könnte die verbleibende Adventszeit heuer wahrhaftig zu einer Staden Zeit werden!
Mein Gebet möge Sie und Euch in diesen Tagen begleiten.
Herzliche Grüße von Pfarrerin Bia Ritter